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Das Porträt eines Mädchens mit Vergißmeinnicht

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PORTRÄT EINES MÄDCHENS MIT VERGISSMEINNICHT

(„Prinzessin")

Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553)
Wittenberg
Signatur: (oben rechts) das Zeichen von Cranach d.Ä. (eine stilisierte Schlange mit ausgebreiteten Fledermausflügeln) und das Datum 1526
Tempera und Öl auf Buche; 34,9 x 23,8 cm
Inv. Nr. Wil. 1518

Die Signatur und die stilistischen Merkmale deuten darauf hin, dass das Werk von Lucas Cranach stammt. Seit 1508 signierte der Künstler seine Arbeiten mit Monogramm und dem Zeichen der geflügelten Schlange; bis 1517 sind es die Flügel einer Fledermaus, später dann gebeugte Flügel eines Vogels (wahrscheinlich eines Adlers). Durch die Verwendung dieses Emblems bezeugt Cranach d.Ä. seine hervorragende Kenntnis der humanistischen Symbolsprache. Das symbolische Vorbild war wahrscheinlich die geflügelte Drachenschlange, die seit dem 14. Jahrhundert von den Zünften als Malerwappen Verwendung fand (die älteste tritt auf dem Siegel der Erfurter Malerzunft auf). Die geflügelte Schlange war ein Attribut des Chronos. Es ist also eine Anspielung auf den Namen Cranachs, den er in der lateinischen Form „Lucas Chronus" benutzte (die richtige lateinische Form lautete Lucas Cronaciensis). Damit wollte er offenkundig auf Chronos bzw. Kronos, den griechischen Gott der Zeit, verweisen, der später mit dem römischen Gott Saturn gleichgesetzt wurde. In der endgültigen Form stellte der Künstler die Schlange mit deutlich erkennbaren Flügeln einer Fledermaus dar, die einen Ring im offenen Mund hält - das Symbol eines verdienten Lohns. Dieses von Cranach ausgewählte Zeichen war gleichzeitig eine Metapher für die malerische Begabung, die die Zeit - also Chronos - belohnt. Die Versuche, den Namen der geheimnisvollen Schönheit im Bild herauszufinden, blieben ergebnislos. Man hat angenommen, dass es sich um die Prinzessin Sybilla van Cleve handelte. Selbst die Bezeichnung „Prinzessin", die in einigen Inventaren zu finden ist, erweckt einige Zweifel. Cranach malte einige Male elegant gekleidete Damen mit ähnlichen Hüten, von ähnlichen Gesichtzügen, an denen er den Kanon der weiblichen Schönheit reproduzierte, für den er eine Vorliebe hatte. Für die Figur können mehrere Modelle als Vorbilder gedient haben, möglicherweise nicht unbedingt aus dem Hochadel, sondern aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Den Vergissmeinnicht-Stengel, die die Frau in der Hand hält, könnte dafür sprechen, dass es sich um ein Verlobungsporträt handelt.

Einer Überlieferung zufolge befand sich das Bild bereits 1743 in Czartoryskis Sammlung in Wilanów; eine spätere Erwähnung listet es in den Sammlungen von Izabela Lubomirska 1733 in Wilanów auf, von wo es später in die Sammlung der Potockis gelangte. Dort ist es in einem Katalog um 1825 enthalten. Es gehörte vermutlich Stanisław Kostka Potocki oder seiner Frau Aleksandra, geb. Lubomirska.

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